10 Gründe für Wildblumen auf Balkon und Terrasse
Hinweis
Der folgende Text stammt aus dem Buch „Mein wilder Meter- Balkon und Topfgarten naturnah gestalten“ von Katharina Heuberger
1. Blütengäste im Frühling, Sommer und Herbst
Wildblumen-Balkon/-Terrasse: Einheimische Blütenpflanzen und Insekten leben in engen Beziehungen miteinander. Das hat sich in den vergangenen Millionen Jahren so entwickelt und wird Koevolution genannt. Pflanzen bieten Insekten Pollen und Nektar als Nahrungsquellen, dafür werden die Blüten von ihren Gästen bestäubt. Auch Blätter, Stängel, Wurzeln oder Früchte stehen auf dem Speiseplan vieler Insekten. Eigentlich gibt es gar keinen Pflanzenteil, der nicht genutzt wird zum Knabbern oder Saugen, aber auch zum Nisten, Schlafen oder Überwintern. So fördern Sie mit einem Wildblumenbalkon Wildbienen, Wespen, Käfer, Fliegen, Wanzen, Schmetterlinge und andere Insekten. Darüber freuen sich wiederum Vögel und Spinnen, die sich von Insekten ernähren.
Geranien-Balkon/-Terrasse: Wenn man Glück hat, verirrt sich ein Taubenschwänzchen (Macroglossum stellatarum) zu den Geranien, das mit dem langen Rüssel den wenigen Nektar erreichen kann, falls überhaupt noch Nektar vorhanden ist und die Geranie nicht zu sehr verzüchtet ist. Außerdem landet man manchmal im Gartencenter auch Zufallstreffer: Isländischer Mohn und Löwenmäulchen werden auch von der einen oder anderen Hummel besucht.
2. Vögel als Balkongäste
Wildblumen-Balkon/-Terrasse: Die Samenstände und Früchte manch topftauglicher Wildpflanze sind als Leckerbissen bei unseren Vögeln beliebt. Im Sommer freuen sich Stieglitze über Kornblumen und Grünfinken über Natternkopf, im Herbst lieben sie die Samen von Skabiosen und Wilder Karde. Amseln mögen im Sommer gerne Kultur-Heidelbeeren und Erdbeeren, im Herbst die Beeren des Wilden Weins und Faulbaums.
Geranien-Balkon/-Terrasse: kein Vogelfutter.
3. Safari
Wildblumen-Balkon/-Terrasse: Ihr Zuhause wird zum Naturerlebnisraum. Sie erleben die Millionen Jahre alte Beziehung von Pflanze und Tier aus nächster Nähe — auf dem Balkon sogar auf Augenhöhe. Dort sind die Tiere viel besser beobachtbar als in einem Garten, wo man sich hinknien muss. Nisthilfen für solitäre Wildbienen und Wespen steigern den Erlebniswert des Wildblumengärtnerns noch einmal. Parallel zum Lebenszyklus von Pflanzen beobachten Sie die Zyklen dieser nützlichen und liebenswerten wilden Fluginsekten. Spannender als jede TV-Tierdokumentation: Vergessen Sie das Okavango-Delta, gehen Sie auf Safari auf Ihrem Balkon!
Geranien-Balkon/-Terrasse: Sollten sich Nisthilfen im Geranienhabitat befinden und Insekten sich darin ansiedeln, wird man sie nicht beim Sammeln von Pollen und Nektar beobachten können.
4. Saisonbeginn
Wildblumen-Balkon/-Terrasse: Die Begrünung beginnt schon ab Anfang März mit früh blühenden Zwiebelpflanzen, Aussaaten einjähriger Pflanzen und dem Wachstum der Stauden nach der Winterruhe. Schauen Sie dem Frühling bei seiner Ankunft zu!
Geranien-Balkon/-Terrasse: Exoten aus dem Gartencenter überleben erst nach den Eisheiligen ab Mitte Mai.
5. Jahreszeiten
Wildblumen-Balkon/-Terrasse: Die einheimischen Wildpflanzen auf dem Balkon entwickeln sich jahreszeitlich wie die natürliche Vegetation im Freiland. Der Gesamteindruck der Bepflanzung verändert sich laufend. Sie erleben die Jahreszeiten auch zu Hause mit.
Geranien-Balkon/-Terrasse: Die Blumen wachsen, aber die Gesamtoptik verändert sich nicht jahreszeitentypisch. Zuerst sind die Geranien klein, dann groß, am Ende sind sie sehr groß und landen im schwarzen Sack oder in der Biotonne.
6. Kälte und Schnee
Wildblumen-Balkon/-Terrasse: Kälteeinbrüche im Frühjahr und auch der Frost im Winter sind kein Problem, die Pflanzen halten das aus. Die Pflanzgefäße bleiben das ganze Jahr draußen.
Geranien-Balkon/-Terrasse: Empfindliche Pflanzen müssen ins Haus, sonst gehen sie eventuell ein.
7. Naturkunde
Wildblumen-Balkon/-Terrasse: Ein Wildpflanzen-Balkon verändert sich ständig. Man erlebt den ganzen Lebenszyklus der Pflanzen auf Augen- und Nasenhöhe, vom Keimling oder den ersten Trieben bis zur Blüte und der Samenbildung. Das ist Naturkunde aus nächster Nähe.
Geranien-Balkon/-Terrasse: Man erlebt gar nichts, die Geranie oder Petunie wird einfach nur größer und größer. Ab und zu verblüht eine.
8. Krankheiten und »Schädlinge«
Wildblumen-Balkon/-Terrasse: Die Wildpflanzen sind robust und wenig krankheitsanfällig. Raupen, die Blätter fressen, und Blattläuse, die an Pflanzen saugen, werden nicht als Schädlinge betrachtet, sondern sind als Teil des kleinen Ökosystems herzlich willkommen. Blattläuse sind wichtig als Nahrung für Marienkäfer, Schwebfliegenlarven, Grabwespen-Nachwuchs und andere Insekten.
Geranien-Balkon/-Terrasse: Geranien sind zugegebenermaßen auch extrem robust. Zierpflanzen aus dem konventionellen Gartencenter werden jedoch in der Regel während ihrer Kultivierung mit einem Cocktail an Pestiziden behandelt, damit sie für den Verkauf makellos aussehen. Die eingesetzten Stoffe sind schädlich für Insekten, Fische, Säugetiere, Gewässer und Menschen. Mit den Pflanzen holt man sich eine Portion Gift auf den Balkon.
9. Das ganze Leben
Wildblumen-Balkon/-Terrasse: Die trockenen Stängel, Blätter und Samenstände im Herbst und Winter sind schöne Naturobjekte, kleine Skulpturen und ebenfalls lehrreich: Das Vergehen gehört zum Wesen der Natur, auch auf dem Balkon.
Geranien-Balkon/-Terrasse: Die Gartencenterblumen spiegeln den Jugendwahn unserer Gesellschaft, die Blumen sollen ewig bunt sein, nicht altern und nicht braun werden. Im Herbst werden sie dann in den Sack gesteckt, da haben sie ausgedient.
10. Geld
Wildblumen-Balkon/-Terrasse: kostengünstig. Wildpflanzen kann man selbst säen. Die Kosten für Saatgut für die kleine Fläche eines Balkons sind gering. Gekaufte Stauden, Kleingehölze und Kletterpflanzen gedeihen über mehrere Jahre in ihrem Topf; die Erde muss nicht jedes Jahr erneuert werden.
Geranien-Balkon/-Terrasse: Im Regelfall werden sowohl die Pflanzen als auch die Erde jedes Jahr neu gekauft.